16.05.2010

JATROS Interview 5/2010 - Orthopädie & Rheumatologie

In folgendem Interview lesen Sie über persönliche Erfahrungen von drei niedergelassenen Orthopäden mit Kassenpraxen in Wien seit zehn Jahren, die am ersten ISMED-Studiengang von 2007 bis 2010 teilgenommen
haben.

Was war Ihre Motivation, neben Kassenordination und Operationen, Zeit für ein zweijähriges Studium an der Uni Wien zu investieren?

P. Bitzan: Ich halte die Schmerztherapie für eine Kernkompetenz der Orthopäden und wollte meine durch die Ausbildung an der Univ.-Klinik Wien eher chirurgisch orientierten Kenntnisse verfeinern.

M. Riegler: Ich wollte mein Spektrum in der Schmerztherapie erweitern, neue Möglichkeiten und Techniken kennenlernen.
F. Mittermayer: Mir hat bis jetzt der theoretische Unterbau der Schmerzpathophysiologie gefehlt. Ich wollte wissen, warum was hilft.

Was hat Ihnen an dem Studium gefallen?

M. Riegler: Das Spektrum der Lehrenden: universitäre Vortragende, internationale Experten mit langjähriger praktischer Erfahrung, die Spitzenleistungen in speziellen Nischen vollbringen. Zum Beispiel Prof. Maier aus Bochum mit der Spiegeltheraphie oder C. Hamilton aus Australien mit ihren Arbeiten über segmentale Instabilität.
F. Mittermayer: Die Vermittlung von fundiertem theoretischem Wissen über die Pathophysiologie des Schmerzes durch Prof. Ruscheweyh, die Sichtbarmachung des Schmerzes mittels funktionellem MRI, aber auch die Übungen am anatomischen Präparat: BW-gezielte Blockaden, Implantation von Schmerzpumpen, diverse Infiltrationstechniken und vieles mehr.
P. Bitzan: Ein großes Plus war der Erfahrungsaustausch
der internationalen, interdisziplinären Teilnehmer und Teilnehmerinnen,
die viel praktische Erfahrung in die teilweise sehr kritische Diskussion
eingebracht haben. Dieser Austausch hält noch immer an.

Was brachte Ihnen das Studium für die tägliche Praxis?

F. Mittermayer: Die Bildung eines Netzwerkes durch persönliche Kontakte
zu Spezialisten aus unterschiedlichen Fachrichtungen, wobei das erste jährliche Treffen inklusive Fortbildung schon stattgefunden hat. Da die Teilnehmer auch aus völlig unterschiedlichen Strukturen – von der allein geführten Ordination bis zu einem der größten Schmerzzentren der Schweiz – kommen, konnte ich einiges über unterschiedliche Behandlungskonzepte lernen.

P. Bitzan: Eine erhöhte Aufmerksamkeit für den Symptomkomplex „chronischer Schmerz – Depression – Schlafstörung“, was zur Folge hat, dass ich jetzt von Anfang an andere Fachrichtungen in die Behandlung einbinde.
M. Riegler: Erweiterte Kompetenz in der medikamentösen Therapie – Antikonvulsiva, Antidepressiva u.a. – als auch deren Interaktionen. Durch den Erfahrungsaustausch und die Übungen am Präparat verwende ich nun mehr rückenmarknahe Infiltrationstechniken. Durch die intensive Beschäftigung mit einem Spezialthema wende ich nun zum Beispiel die manuelle Therapie mit gutem Erfolg bei Schwangeren an.

Das vollständige Interviews als PDF